Der Balkankonflikt im Film: Die besten Spielfime

Die Jugoslawienkriege haben wie viele andere Konflikte auf unterschiedlichste Weise Eingang in Film und Fernsehen gefunden. Seit dem Ende der Neunzigerjahre sind eine ganze Reihe an sowohl internationalen als auch lokalen Filmen entstanden, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und so einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung und zum Gedenken leisten.

Die bislang entstandenen Filme variieren in Genres, Perspektiven, zeitlicher Handlungsansiedlung, Budget, Produktionsländern, Zielgruppen, kommerziellem Erfolg und internationaler Anerkennung – und auch an künstlerischer Qualität. Der Film „Twice Born“ beispielsweise bedient sich des Schauplatzes Bosnienkrieg um damit ein schnulziges Liebesdrama zu verkitschen. In „Im Fadenkreuz – Allein gegen Alle“ dient der Einsatz von US-Soldaten in Bosnien als Bühne für einen Actionthriller, der sich von anderen Filmen des Genres nicht wesentlich unterscheidet und infolgedessen mit dem Thema an sich nicht mehr sonderlich viel zu tun hat. Es gibt leise und empfindsame Low-Budget Produktionen („Djeca – Die Kinder von Sarajevo“, „Gemeinsam Gehen“) die wegen ihrer besonderen Subtilität zwar von der Kritik hochgelobt wurden, im Subtilen verbleibend aber gelegentlich Gefahr laufen, eine gewisse Langatmigkeit mit sich zu bringen. Am bekanntesten und auch am beliebtesten sind die surrealen, teils märchenhaften Komödien des serbischen Regisseurs Emir Kosturica („Das Leben ist ein Wunder“, „Underground“, „On the Milky Road“), die zweifelsohne hochwertige Produktionen darstellen. Die Ansiedlung der Grenze zwischen Satire und Klamauk ist bei Kosturica allerdings eine Geschmacksfrage. Auf geniale Weise gelingt die Verbindung von Tragik und Satire dem bosnischen Regisseur Danis Tanovic, insbesondere in seiner Kriegssatire „No Man’s Land“, die den Sinn des Balkankonfliktes beispielhaft für jeden Krieg in Formvollendung ad absurdum führt. Zu Recht brach der Film alle Rekorde und gilt heute quasi als „Standardwerk“ zum Thema Balkan, an dem sich alle anderen entstandenen Werke nur schwer messen lassen. Dennoch existieren auch viele andere Filme – sowohl aus nationalen als auch aus internationalen Produktionen – die ganz hervorragend und unbedingt sehenswert sind. Für diesen Beitrag habe ich die meiner Meinung nach zehn besten Filme zum Thema Ex-Jugoslawien ausgewählt und stelle sie unten in Kurzbeschreibungen, zusammen mit Bildern, Filmdaten, Trailern und Verfügbarkeit jeweils kurz vor.

„Das geheime Leben der Worte“ der spanischen Arthouse-Regisseurin Isabel Coixet („Mein Leben ohne mich“, „Elegy“) nähert sich Trauma, Verzweiflung und Hoffnung eindringlich, jedoch auf wunderbar einfühlsame Weise – ein beeindruckender und berührender Antikriegsfilm, der ohne eine einzige Kriegsszene auskommt und sich auch erst ganz am Ende konkret dem Bosnienkrieg zuwendet. Wie der Titel schon impliziert, transportiert der Film seine Botschaft über die „Worte“, den sich langsam entwickelnden Dialog seiner beiden Protagonisten Hanna (Sarah Polley) und Josef (Tim Robbins), die, obwohl sie verschiedener nicht sein könnten, doch die gleichen seelischen und körperlichen Narben mit sich tragen. Erst in ihrer unfreiwilligen Begegnung finden beide Zugang zu einander, Zugang zu sich selbst und schließlich zu neuer Hoffnung in einem Leben, das für beide leer geworden war.

Danis Tanovic’s Oscar gekröntes Werk „No Man’s Land“ aus dem Jahr 1999 gehört zu jenen Filmen, die man unter allen Umständen gesehen haben muss, wenn man sich für Filme interessiert. Zugegebenermaßen, unsere Full-HD-verwöhnten Augen müssen sich zunächst etwas an die zwanzig Jahre alte Bildqualität gewöhnen. Das lohnt sich allerdings. Denn genauso wie der Balkankonflikt ein universelles Beispiel für die verheerenden Folgen eines jeden Bürgerkrieges darstellt, so kann und muss “ No Man’s Land“ als universeller Antikriegsfilm betrachtet werden.

Das Spielfilmdebüt „Esmas Geheimnis – Grbavica“ der bosnischen Regisseurin Jasmila Žbanić  aus dem Jahr 2006 bezieht sich auf sanfte, subtile und authentische Weise auf den wohl grausamsten Auswuchs des Bosnienkriegs: den Frauen, die zu zehntausenden vergewaltigt und gefoltert wurden. Sie haben, ihrer Würde beraubt, in der Nachkriegszeit nicht nur mit ihrem Trauma zu kämpfen, sondern auch ganz real von ihren Vergewaltigern gezeugte Kinder geboren. Die Nachkriegsperspektive des Films schildert anhand der Protagonistin Esma und ihres Kindes die langfristigen Folgen dieser speziellen Form von Gewalt, im Film fünfzehn Jahre nach Kriegsende. Der Film gewann verdient den „Goldenen Bären“ der Berlinale und war im selben Jahr für den Auslandsoscar nominiert.

Der deutsche Film „Sturm“ von Hans-Christian Schmidt thematisiert die aufwendige und langwierige juristische Verfolgung der Kriegsverbrecher am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Um die Täter juristisch zur Rechenschaft ziehen zu können, ist es nicht nur von Nöten, bergeweise Akten zu sichten und zu bearbeiten und mühsam und detailgetreu vor Ort die Fakten zu prüfen, sondern vor allem ist es notwendig, die Opfer dazu zu bewegen, noch Jahre später vor Gericht gegen ihre Peiniger auszusagen. Wie schwer das für die traumatisierten Menschen, aber auch für die Ankläger ist schildert der Film sehr glaubhaft anhand seiner beiden fiktiven Protagonistinnen, der Menschenrechtsanwältin Hannah Maynard (Kerry Fox) und der nach Deutschland ausgewanderten Bosnierin Mira Aarend (Anamaria Marinca).

Der deutsch-kanadische Fernsehfilm „Jagd nach Gerechtigkeit“ porträtiert dagegen eine reale Persönlichkeit: Louise Arbour (dargestellt von Wendy Crewson) war von 1996 bis 1999 Chefanklägerin des ICTY (International Criminal Tribune for the former Yugoslawia). Zu dieser Zeit zeigten die befehlshabenden Nato-Generäle der SFOR in Ex-Jugoslawien aus Angst vor neuen Unruhen noch wenig Interesse an der Ergreifung der meistgesuchten Kriegsverbrecher, allen voran Ratko Mladic und Radovan Karadzic. Der Film ist mitten in der Kosovo-Krise angesiedelt. Allen Widerständen zum Trotz gelang es Arbour zum ersten Mal in der Geschichte der UN mit Slobodan Milosevic einen amtierenden Staatschef als Kriegsverbrecher anzuklagen. Der Film ist gleichzeitig ein Portrait einer starken und furchtlosen Frau und unerschütterlichen Menschenrechtsverteidigerin, und eine Darstellung eines Meilensteines in der Geschichte der Vereinten Nationen.

„In the Land of Blood and Honey“, das Regiedebüt der Schauspielerin und UNHCR-Botschafterin Angelina Jolie ist zwar umstritten, da er die Brutalität und Gewalt des Krieges in sehr drastischen Bildern zeigt. Jolie musste sich vor schockierten Kritikern dem Vorwurf der „Kriegspornografie“ stellen. Hier stellt sich allerdings die Frage, inwieweit das nicht auf alle Filme des Genres zutrifft, da hier ja besonders die bildliche Darstellung der Gewalt die „Antikriegsbotschaft“ transportieren soll und kann. Das muss man als Zuschauer natürlich ertragen können. Aber unter anderem die Tatsachen, dass der Film ausschließlich mit einheimischen Schauspielern und Schauspielerinnen, vor Ort in Bosnien gedreht ist und in seiner fiktiven Liebesgeschichte unkitschig bleibt, machen den Film wertvoll und sehenswert.

Die spanische Tragikomödie „A Perfect Day“ von Fernando León de Aranoa dreht sich um eine international zusammengewürfelte Gruppe von Entwicklungshelfern, die schon durch ein Aufgebot an tollen international genauso zusammengewürfelten Schauspielern (Tim Robbins, Benicio del Toro, Mélanie Thierry, Olga Kurylenko, Fedja Štukan,) begeistert. Während die neu eingetroffene Französin „Sophie“ noch hochambitioniert und idealistisch ist, haben sich „Mambru“ und „B“ nach Jahren der Arbeit in Krisengebieten eine zynische Abgestumpftheit angeeignet. Es mag zwar zunächst erschrecken, aber es ist anzunehmen, dass so eine Abstumpfung angesichts der dramatischen und frustrierenden Umstände mit denen die Helfer Tag für Tag konfrontiert sind, nach einer Weile automatisch eintritt. Schließlich ist die Autorin Paula Farias der Romanvorlage „Dejarse Llover“ des Films selbst für Ärzte ohne Grenzen im Kosovokrieg tätig gewesen. Die Handlung des Films erstreckt sich, wie der Titel verrät, eigentlich nur auf einen einzigen Tag, der gar nicht weniger „perfekt“ sein könnte. Die Gruppe braucht eigentlich nur ein Seil um eine Leiche aus einem Trinkwasserbrunnen zu bergen. Dabei treten aber so viele Hindernisse auf, dass man beim Ansehen des Films einen skurril-realistischen Eindruck bekommt, an was es in einem Krisengebiet alles mangeln kann und was für Absurditäten vorkommen können. Die Rockmusik-Untermalung des Films unterstreicht das sehr wirkungsvoll.

Das serbisch-deutsche Drama „Circles“ von Regisseur Srđan Golubović aus dem Jahr 2013 nimmt wieder die Perspektive der Einheimischen ein, die – einst Nachbarn und Freunde – im Krieg zu Feinden wurden. Heute sind Täter wie Opfer zerrissen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Heimat und Auswanderungsland, zwischen Vergeltung und Vergebung – ein Kreis der sich am Ende schließt. Doch der Film macht auch Hoffnung, dass die Nachkriegsgeneration den gegenseitigen Hass nicht mehr übernimmt. Von ihnen wird es abhängen, ob dieser Teufelskreis durchbrochen werden kann.

„The Whistleblower“ von Larysa Kondracki aus dem Jahr 2010 verfilmt die wahre Geschichte der US-Polizistin Kathryn Bolkovac, die im Nachkriegsbosnien für ein Vertragsunternehmen der Vereinten Nationen arbeitete. Sie deckte auf couragierte Weise ein weitverzweigtes Geflecht von organisierter Kriminalität unter UN-Funktionären  und Mitarbeitern der Vertragsfirma DynCorp auf. Dieser Verbrecherring betrieb organisierten Frauenhandel und Zwangsprostitution, mit dem Zweck, die „Friedensstifter“ vor Ort mit Prostituierten und Sex-Sklavinnen zu versorgen. Ein Problem, dass überhaupt erst durch die Mission in das Krisengebiet gebracht wurde. Kathryn Bolkovac wurde unter einem Vorwand entlassen und veröffentlichte daraufhin Beweise als Whistleblowerin. Sie verklagte die Firma DynCorp, und gewann. Der Film ist das Gegenteil von leichter Kost – aber er würdigt den heldenhaften Einsatz einer starken und couragierten Frau im Kampf gegen Frauenhandel und Korruption. Das brachte ihr immerhin eine Nominierung zum Friedensnobelpreis ein.

„Radio Belgrad Taxi“ ist eine Komödie des serbischen Regisseurs Srdjan Koljevic aus dem Jahr 2011. Sie spielt im heutigen Belgrad und besticht vor allem durch ihren schwarzen Humor. Der wird den Menschen des Balkan ja allzu oft nachgesagt. Hauptschauplatz des Films ist die Brücke die das alte Belgrad mit dem neuen verbindet und so symbolisch für den Übergang von der Vergangenheit in die Zukunft steht. Hier begegnen sich drei Personen mit drei ebenfalls symbolhaften Schicksalsgeschichten, deren Wege sich im Laufe des Films immer wieder kreuzen und die als solche die Gesellschaft im Nachkriegsserbien wiederspiegeln. Im Mittelpunkt steht ein misanthropischer Taxifahrer der seinen wichtigsten Besitz, eine Pistole im Handschuhfach (man weiß ja nie wann es wieder Krieg gibt), verkauft, um einen Kinderwagen für ein Baby zu kaufen, dass er vor dem Waisenhaus rettet, daraufhin auch noch die lebensmüde Mutter des Kindes vor der Psychiatrie rettet, und am Ende nicht nur die beiden, sondern vor allem wohl sich selbst gerettet hat. Der Film will nicht nur zum Lachen bringen, sondern auch Mut machen – beides gelingt ihm Bestens.

1. Das geheime Leben der Worte (Isabel Coixet – 2005)

Die schwerhörige Hanna heuert auf einer Bohrinsel an, wo eine Krankenschwester benötigt wird. Ihr Patient Josef ist vorübergehend erblindet. Beharrlich versucht er, die zurückhaltende Hanna zum Reden zu bringen.

Ein Hörgerät kann hilfreich sein: Will man seine Ruhe haben, schaltet man es einfach ab. So hält es die schwerhörige Fabrikarbeiterin Hanna, die in selbst gewähltem Autismus lebt. Ihr Chef verordnet Hanna, die sich seit Jahren keinen Tag freigenommen hat, schließlich einen Zwangsurlaub. Hanna ist verunsichert, sie weiß nicht, was sie mit der freien Zeit anfangen soll. Durch Zufall erfährt sie in einem Restaurant, dass händeringend eine Krankenschwester für eine Bohrinsel im Atlantik gesucht wird. Hanna hat als Pflegerin gearbeitet und nimmt den Job dankbar an. Auf der Plattform, die nach einem verheerenden Unfall bald aufgegeben werden soll, leben noch eine Handvoll einsamer Männer und eine Gans. Hannas Patient Josef, der bei einem Unfall schwere Brandwunden erlitten hat, ist kurzzeitig erblindet. Doch je mehr Hanna schweigt, umso beharrlicher versucht Josef mit ihr, der Stimme mit dem fremden Akzent, zu plaudern und zu flirten. Doch Hanna wahrt ihr Geheimnis so lange, bis er selbst seine Seelenwunden entblößt. Dann berichtet sie zögernd von jenem traumatischen Erlebnis, das ihr Leben zerstört hat.

Regisseurin Isabel Coixet hat dieses mehrfach preisgekrönte, sensible Drama auf die Kanadierin Sarah Polley, einen stillen Star des Arthouse-Kinos, zugeschnitten. Coixet nähert sich der Enthüllung und dem eigentlichen Filmthema auf Umwegen – mit Hilfe einer feinfühligen Liebesgeschichte und kleinen Ereignissen, die Hanna dazu bringen, ihren Schutzpanzer abzulegen. Mit ihrer Geschichte ändert sich der humorvoll-lakonische Tonfall des Films und lässt Hannas verbissenen Rückzug auf sich selbst als starken, hoffnungsvollen Überlebenswillen erscheinen. Zugleich weitet sich das intime Drama zu einem Diskurs über den Bosnienkrieg.

Trailer (deutsch):

Genre: Drama
Originaltitel: La vida secreta de las palabras
Produktionsland: Spanien
Originalsprache: Englisch
Länge: 111 Minuten
Besetzung: Sarah Polley (Hanna), Tim Robbins (Josef), Javier Cámara (Simon), Sverre Anker Ousdal (Dimitri), Steven Mackintosh (Dr. Sulitzer), Eddie Marsan (Victor), Julie Christie (Dr. Inge Genefke)

Auszeichnungen:
Goya: „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Beste Produktion“
Lina Mangiacapre Award beim Filmfestival Venedig 2005 für Isabel Coixet

Verfügbarkeit: VoD auf maxdome, iTunes, Sky Ticket, Sky Go, auf DVD erhältlich


2. No Man’s Land (Danis Tanović – 2001)

Das international ausgezeichnete Werk von Regisseur Danis Tanovic erzählt die kleine Geschichte über ein Dilemma zweier verfeindeter Soldaten inmitten des grotesken, tragischen und fast schon lächerlich wirkenden Alltags im Bosnien-Krieg 1993.

Im Schützengraben: Die beiden Soldaten Ciki und Nino, der eine Bosnier, der andere Serbe, stehen sich plötzlich inmitten feindlicher Linien, dem so genannten „No Man s Land“, gegenüber. Zwischen ihnen ein Verletzter, der auf einer Sprengmine liegt. Die kleinste Bewegung könnte sie zum explodieren bringen… Während die beiden Soldaten fieberhaft nach einer Lösung für ihre prekäre Situation und nach schneller Rettung für den verletzten Kameraden suchen, versucht ein tapferer UN-Offizier, trotz Verbots seitens seiner Vorgesetzten, zu helfen. Schließlich erfährt auch noch die Weltpresse davon, und so wird aus dem scheinbar belanglosen Vorfall plötzlich eine Publikumsshow von internationalem Interesse. In der gespannten Situation zwischen allen Parteien versuchen Nino und Ciki verzweifelt vor den Augen der Weltöffentlichkeit für ihr Leben und gegen den Irrsinn des Krieges zu verhandeln.

Trailer (OmU):

Genre: Kriegssatire
Originaltitel: Ničija zemlja
Produktionsland: Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Großbritannien, Italien, Belgien, Frankreich
Originalsprache: Bosnisch, Französisch, Deutsch, Englisch
Länge: 98 Minuten
Besetzung: Branko Đurić (Čiki), Rene Bitorajac (Nino), Filip Šovagović (Cera) Georges Siatidis (Marchand), Serge-Henri Valcke (Dubois), Sacha Kremer (Michel), Simon Callow (Soft), Katrin Cartlidge (Jane Livingstone)

Auszeichnungen:
Oscar als „Bester fremdsprachiger Film“
Golden Globe: „Bester fremdsprachiger Film“
Satellite Award: „Bester fremdsprachiger Film“
Cannes: „Bestes Drehbuch“ und Nominierung für die „Goldene Palme“
Motovun Film Festival Kroatien: FIPRESCI-Preis
International Film Festival Rotterdam: Publikumspreis
San Sebastián International Film Festival: Publikumspreis
Sarajevo Film Festival: Publikumspreis und „Bester Debütfilm“
César: „Bestes Erstlingswerk“
Syndicat Français de la Critique de Cinéma: „Bester ausländischer Film“
Europäischer Filmpreis „Bestes Drehbuch“ und „Bester Darsteller“ Branko Đurić

Verfügbarkeit: auf DVD erhältlich


3. Esmas Geheimnis – Grbavica (Jasmila Žbanić – 2006)

Die allein erziehende Esma lebt mit ihrer 12-jährigen Tochter Sara in Grbavica, einem Stadtteil von Sarajevo, in dem der Wiederaufbau nach den Jugoslawienkriegen der 90er Jahre nur langsam vorangeht. Weil Esma mit der dürftigen staatlichen Unterstützung nicht auskommt, nimmt sie eine Stelle als Kellnerin in einem Nachtclub an. Nur widerstrebend arbeitet Esma die Nächte hindurch, vor allem, weil sie dadurch weniger Zeit für ihre Tochter hat.

Esma, die noch immer traumatisiert ist durch die gewalttätigen Ereignisse der Vergangenheit, besucht die Gruppentherapie im örtlichen Frauenzentrum, hat jedoch noch nie über ihre Erlebnisse gesprochen. Neben ihrer engen Freundin Sabina findet Esma einen Seelenverwandten in Pelda, ihrem mitfühlenden Kollegen aus dem Nachtclub. Seit Sara, ein lebhafter Wildfang, sich eng mit ihrem Klassenkameraden Samir angefreundet hat, kommt Fußball in ihrem Leben nur noch an zweiter Stelle. Die beiden sensiblen Teenager sind sich sehr nah – beide haben ihren Vater im Krieg verloren. Samir ist jedoch erstaunt, als er hört, dass Sara nichts über den Heldentod ihres Vaters zu berichten weiß. Saras Vater wird erneut zum Thema, als Sara für einen Preisnachlass bei der anstehenden Klassenfahrt den Nachweis benötigt, dass ihr Vater ein Kriegsheld (Schechid) war und den Märtyrertod gestorben ist. Esma behauptet, dass es schwierig sei, den offiziellen Nachweis zu bekommen, weil der Körper des Toten noch immer nicht gefunden wurde. Gleichzeitig versucht sie verzweifelt, das gesamte Geld für Saras Klassenfahrt aufzutreiben.

Trailer (O.m.engl.U):

Genre: Drama
Originaltitel: Grbavica
Produktionsland: Österreich, Bosnien und Herzegowina, Deutschland, Kroatien
Originalsprache: Bosnisch
Länge: 90 Minuten
Besetzung: Mirjana Karanović (Esma), Luna Mijović (Sara), Leon Lučev (Pelda), Andiswa Kedama (Amanda), Kenan Čatić (Samir), Jasna Ornela Berry (Sabina), Dejan Ačimović (Cenga), Bogdan Diklić (Šaran)

Auszeichnungen:
– „Goldener Bär“ der Berlinale 2006
– Nominierung Großer Preis der Jury beim Sundance Film Festival
– Europäischer Filmpreis: Nominierungen als Bester Film und Beste Darstellerin
– Kandidat für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film

Verfügbarkeit: auf DVD erhältlich


4. Sturm (Hans-Christian Schmid – 2009)

Hannah Maynard ist Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und führt einen Prozess gegen Goran Duric, einen ehemaligen Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee. Ihm wird vorgeworfen, für die Deportation und den späteren Tod bosnisch-muslimischer Zivilisten in Kasmaj, einer Kleinstadt in der heutigen Republika Srpska, verantwortlich zu sein.

Als sich ein wichtiger Augenzeuge in Widersprüche verstrickt, schickt das Gericht eine Delegation nach Bosnien, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen erhärten sich, allem Anschein nach sagt er nicht die Wahrheit. Kurz darauf findet man seine Leiche; er hat sich in seinem Hotelzimmer das Leben genommen. Hannah gibt den Fall noch nicht verloren. In der Hoffnung, neue Erkenntnisse zu gewinnen, reist sie zur Beerdigung des Zeugen nach Sarajevo und trifft dort auf dessen Schwester Mira. Schon bald gewinnt Hannah den Eindruck, dass die junge Frau viel mehr über den Angeklagten zu sagen hat, als sie zugeben möchte. Obwohl Mira Angst hat, sich der Vergangenheit zu stellen und damit ihre ahnungslose Familie zu gefährden, mit der sie sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut hat, liefert sie schließlich den entscheidenden Hinweis für Durics Verbrechen und erklärt sich bereit, ihre Aussage vor dem Tribunal in Den Haag zu wiederholen. Unmittelbar vor der entscheidenden Verhandlung versuchen Durics Verteidiger, Miras Zulassung als Zeugin abzuwenden – und finden mit ihrem Anliegen unerwartet Unterstützung von Seiten der Richterschaft. Hannah begreift, dass ihre Gegner nicht nur auf der Anklagebank, sondern auch in den eigenen Reihen zu finden sind.

Trailer (deutsch):

Genre: Politthriller
Originaltitel: Storm
Produktionsland: Deutschland, Dänemark, Niederlande
Originalsprache: Englisch, Deutsch, Bosnisch, Serbisch
Länge: 110 Minuten
Musik: The Notwist
Besetzung: Kerry Fox (Hannah Maynard), Anamaria Marinca (Mira Arendt), Stephen Dillane (Keith Haywood), Rolf Lassgård (Jonas Dahlberg), Alexander Fehling (Patrick Färber), Steven Scharf (Jan Arendt), Jadranka Đokić (Belma Šulić)

Auszeichnungen:
Berlinale 2009: im Wettbewerb um den Goldenen Bären, „Menschenrechtspreis“ von Amnesty International
Friedenspreis des Deutschen Films an Regisseur Hans-Christian Schmidt
Deutscher Filmpreise in Silber, „Beste Musik“ für the Notwist und „Bester Schnitt“

Verfügbarkeit: auf DVD erhältlich


5. Jagd nach Gerechtigkeit – Das Tribunal von Den Haag (Charles Binamé – 2005)

Die kanadische Juristin Louise Arbour wird 1996 zur Chefanklägerin für die Kriegsverbrecherprozesse am Internationalen Gerichtshof in Den Haag ernannt. Sie begreift die Aufgabe nicht nur als persönliche Chance, sondern erkennt auch, dass das Tribunal richtungsweisend für die Zukunft des Weltfriedens sein kann.

Ihr Enthusiasmus wird gedämpft, als sie merkt, wie viele Steine ihr in den Weg gelegt werden. Durch Eigeninitiative am Rande der Legalität kann sie die Festnahme zweier serbischer Kriegsverbrecher erreichen; trotz vieler Rückschläge gelingt ihr das Unmögliche: Am 22.5.1999 erhebt sie erstmals gegen einen amtierenden Staatschef Anklage: gegen Slobodan Milosevic. Biopic über eine engagierte Frau und ihre Ideale, das unter Mitwirkung der porträtierten Juristin zustande kam.

Trailer (OV):

Genre: TV- Politthriller nach wahren Begebenheiten
Originaltitel: Hunt for Justice
Produktionsland: Deutschland, Kanada
Originalsprache: Englisch
Länge: 86 Minuten
Besetzung: Wendy Crewson (Louise Arbour), John Corbett (Captain John Tanner), Heino Ferch (Thomas Keller), Stipe Erceg (Pasko Odzak), William Hurt (General Mortimer), Claudia Ferri (Tina Verma)

Auszeichnungen: Gemini Award für den „Besten Fernsehfilm“

Verfügbarkeit: als gebrauchte DVD erhältlich (z.B. Ebay)

Louise Arbour:

Louise Arbour (*1947) ist eine frankokanadische Juristin. Sie wuchs in Québec auf und graduierte 1970 an der Universität von Montréal im Bereich Zivilrecht. Von 1974 bis 1987 war sie Professorin für Strafrecht an der York University. 1987 wurde sie zur erstinstanzlichen Richterin in Strafsachen ernannt, stieg aber schon 1990 zum Appellationsgericht von Ontario auf. Über Jahrzehnte hinweg veröffentlichte sie Artikel zum Thema Menschen- und Bürgerrechte.

1995 leitete Arbour eine Kommission zur Untersuchung der Haftbedingungen in kanadischen Gefängnissen. Ab 1996 war Chefanklägerin der beiden Ad-hoc-Tribunale ICTY, zuständig für die Verfolgung schwerer Verbrechen während des Jugoslawienkriege, und ICTR, zuständig für die Verfolgung des Völkermords in Ruanda. Am 15. September 1999 wechselte sie an den Obersten Gerichtshof von Kanada, um eine der neun Richter dieses Gerichtshofs zu werden. Im Jahr 2004 trat sie das Amt ihres Vorgängers Sérgio Vieira de Mello als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte an, der im Sommer 2003 bei einem Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad ums Leben gekommen war.

Als Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen hat Louise Arbour Anfang März 2007 öffentlich vor dem UN-Menschenrechtsrat auf die Notwendigkeit einer UN-Intervention zur Verbesserung der Menschenrechtslage von Homosexuellen hingewiesen und die Staaten aufgefordert, aktiv gegen Menschenrechtsverletzungen gegenüber Homosexuellen vorzugehen. Arbour stand nach Auslaufen ihrer fünfjährigen Amtszeit zum 30. Juni 2008 nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung. Von 2009 bis 2014 war Arbour Präsidentin und CEO (Geschäftsführerin) der International Crisis Group. Im Fall „Obligation to Negotiate Access to the Pacific Ocean“ (Bolivien gegen Chile), der seit 2013 vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag anhängig ist, wurde Arbour von Chile als Ad-hoc-Richterin nominiert. Seit 2017 ist Arbour UN-Sonderbeauftragte für Internationale Migration.

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6. In the Land of Blood and Honey (Angelina Jolie – 2011)

1992 in einer kleinen Stadt im östlichen Teil von Bosnia-Herzegovina: Danijel (Goran Kostic), ein christlicher Serbe und Alja (Zana Marjanovic), eine muslimische Bosnierin, sind ein verliebtes, junges Paar. Als der bosnisch-serbische Bürgerkrieg in dem Land ausbricht, werden sie voneinander getrennt.

Danijels Vater ist ein hochdekorierter Offizier der Jugoslawischen Volksarmee und beruft seinen Sohn zum Kommandeur für ein Kriegsgefangenenlager. Diese Position kann Danijels jedoch nicht mit seinen moralischen Grundsätzen vereinbaren und hadert deshalb mit sich. Doch schließlich gibt er den Druck seines Vaters nach und tritt den Posten an. Wie es der Zufall will, trifft er dort Alja wieder. Nur dieses Mal ist alles anders: Er ist der Kommandeur des Camps und sie ist eine Gefangene. Ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Danijel findet sich in einer undankbaren Situation wieder und versucht eine Lösung zu finden, die für alle akzeptabel ist. Die Frage ist aber, ob eine solche Lösung überhaupt existiert.

Schon mit der Ankündigung von In the Land of Blood and Honey war das mediale Interesse groß an diesem Projekt, weil es das Regiedebüt von Schauspielerin Angelina Jolie ist. Die Besetzung besteht ausschließlich aus einheimischen Darstellern und der Film wurde zweimal gedreht, einmal in Englisch und einmal in der Landessprache Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Drehort war Bosnien-Herzegowina.

Trailer (deutsch):

Genre: Politdrama
Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch
Länge: 127 Minuten
Besetzung: Goran Kostić (Danijel), Zana Marjanović (Ajla), Rade Šerbedžija (Nebojša Vukojević,), Vanessa Glodjo (Lejla), Nikola Đuričko (Darko)

Auszeichnungen:
– Sarajevo Film Festival: Heart of Sarajevo Award
– Producers Guild of America  Awards: Stanley Kramer Award
– Golden Globe  Awards: Nominierung in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“
NAACP Image Award: „Bester ausländischer Film“
– NAACP Image Awards: Nominierung in der Kategorie „Beste Filmregie“

Verfügbarkeit: VoD auf Amazon, maxdome, iTunes, GooglePlay, Videobuster, Videoload


7. A Perfect Day (Fernando León de Aranoa – 2015)

Eine Gruppe Entwicklungshelfer aus unterschiedlichen Ländern wurde in ein felsiges Krisengebiet geschickt, um die Wasserversorgung aufrechtzuerhalten. Dabei müssen sie die skurrilsten Hindernisse überwinden, damit sie ein Dorf vor dem Verdursten retten können

Ihr Chef ist Mambrú (Benicio Del Toro) – ein Mann, hin- und hergerissen zwischen seiner Arbeit und der Heimat, in der seine Freundin wartet und darauf drängt, dass er endlich sesshaft wird. Zu Mambrús Team gehört auch Berufsanfängerin Sophie (Melanie Thierry), die sich mit Wasser und sanitären Einrichtungen auskennt, sie ist unerfahren und idealistisch. Ganz anders B (Tim Robbins): Der Draufgänger musste schon so manche scheinbar aussichtslose Situation überstehen und macht deswegen selbst dann noch Witze, wenn er zwischen Landminen navigiert. Dass Humor wichtig ist, weiß auch Damir (Fedja Stukan), der für die Entwicklungshelfer übersetzt. Gemeinsam muss die disparate Gruppe eine Leiche entfernen, bevor die letzte saubere Wasserquelle verseucht wird. Ausgerechnet jetzt taucht Mambrús Ex Katya (Olga Kurylenko) auf, die seine Arbeit evaluieren soll…

Als Vorlage für den Film diente der Roman „Dejarse Llover“. Dessen Autorin Paula Farias, war um die Jahrtausendwende für die spanische Sektion von Ärzte ohne Grenzen im Kosovokrieg tätig. Von 2006 bis 2011 war sie Direktorin der Organisation. 2008 lernte sie den Regisseur Fernando León de Aranoa kennen, mit dem sie seitdem eine Freundschaft verbindet. Gedreht wurde der Film in Andalusien und Castilla-La Mancha. Für den Soundtrack wählte Arnau Bataller vorzugsweise ältere, rockige Stücke von z. B. The Velvet Underground, Marilyn Manson, Gogol Bordello, den Ramones oder den Buzzcocks aus.

A Perfect Day feierte seine Premiere im Mai 2015 auf den Filmfestspielen in Cannes. Regisseur Fernando León de Aranoa und seine zwei anwesenden Darsteller Benicio del Toro und Mélanie Thierry erhielten anschließend einen fünf Minuten andauernden Applaus.

Trailer (deutsch):

Genre: Tragikkomödie nach einer Romanvorlage
Originaltitel: Un día perfecto
Produktionsland: Spanien
Originalsprache: Englisch, Serbokroatisch, Spanisch
Länge: 106 Minuten
Besetzung: Benicio del Toro (Mambrú), Tim Robbins (“B”), Mélanie Thierry (Sophie), Fedja Štukan (Damir), Eldar Residovic (Nikola), Olga Kurylenko (Katya), Sergi López (Goyo)

Verfügbarkeit: VoD auf Amazon, maxdome, Google Play, Microsoft, Rakuten TV, Videoload, Videociety, freenet video, Sony, CHILI, auf DVD erhältlich


8. Circles (Srđan Golubović – 2013)

Bosnienkrieg. Der junge serbische Soldat Marko (Vuk Kostić) beobachtet gemeinsam mit seinem Freund Nebojsa (Nebojša Glogovac), wie vier Soldaten den muslimischen Kioskbesitzer Haris (Leon Lučev) attackieren. Marko geht dazwischen, er wird von Offizier Todor (Boris Isaković) und dessen Soldaten zu Tode geprügelt.

Zwölf Jahre später bittet der Sohn von einem der Mörder bei Markos Vater Ranko (Aleksandar Berček) um Arbeit. Er weiß nicht, was seinen Vater und Ranko verbindet. Nebojsa arbeitet inzwischen als Chirurg und findet sich plötzlich in der Situation wieder, Todor operieren zu müssen, als dieser schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wird. Haris lebt mittlerweile mit seiner Familie in Deutschland, als eines Tages Markos damalige Freundin Dana (Hristina Popović) auftaucht, um bei ihm Schutz vor ihrem prügelnden Ehemann zu suchen. Sie alle müssen sich die eine Frage stellen: Vergebung oder Rache?

Trailer (deutsch):

Genre: Drama
Originaltitel: Krugovi
Produktionsland: Serbien, Deutschland, Frankreich, Slowenien, Kroatien
Originalsprache: serbisch, deutsch
Länge: 112 Minuten
Besetzung: Nikola Rakočević (Bogdan), Aleksandar Berček (Ranko), Leon Lučev (Haris), Vuk Kostić (Marko),  Hristina Popović (Nada), Nikola Rakočević (Nadas Mann), Nebojša Glogovac (Nebojša), Boris Isaković (Todor)

Auszeichnungen:
Preis der Ökumenischen Jury, 63. Internationale Filmfestspiele in Berlin
„Goldene Aprikose“, Internationales Filmfestival „Goldene Aprikose“, Armenien
Grand Prix: Cineast Festival Luxemburg
– Publikumspreise auf dem Sarajevo International Filmfestival sowie dem Sofia International Filmfestival
– Beste Regie auf dem Wiesbaden International Film Festival – Go East

Verfügbarkeit:
Ganzer Film frei verfügbar Youtube: Circles Krugovi (Drama) (Ganzer Film HD)
VoD auf Amazon (OV), iTunes, GooglePlay, Pantaflix, Sony, auf DVD erhältlich


9. The Whistleblower – In gefährlicher Mission (Larysa Kondracki – 2010)

Kathy Bolkovac (Rachel Weisz) ist eine amerikanische Polizistin, die einen Job als Friedenswächterin im Nachkriegsbosnien annimmt. Voller Erwartungen macht sie sich auf, um der örtlichen Polizei zu helfen, ein zerstörtes Land wieder aufzubauen.

Doch ihre Hoffnungen werden erschüttert, als die Realität sie einholt: Bei nächtlichen Razzien stößt sie auf illegal geführte Nachtclubs, deren Mädchen nach der Festnahme spurlos verschwinden. Kathryns Ermittlungen deuten auf einen internationalen Verbrecherring hin, in den internationale Unternehmer bis hin zu den obersten Reihen der UN verwickelt sind. Bald wird Kathryn bei ihren Ermittlungen behindert und gerät selbst in Lebensgefahr- basierend auf der wahren Geschichte von Kathryn Bolkovac.

Genre: Thrillerdrama mit biografischer Vorlage
Produktionsland: Kanada, Deutschland
Originalsprache: Englisch
Länge: 113 Minuten
Besetzung: Rachel Weisz (Kathryn Bolkovac), Vanessa Redgrave (Madeleine Rees), Monica Bellucci (Laura Leviani), David Strathairn (Peter Ward), Nikolaj Lie Kaas (Jan Van Der Velde), Jeanette Hain (Halyna), Benedict Cumberbatch (Nick Kaufman)

Auszeichnungen:
Whistler Film Festival: Publikumspreise für die „Beste Geschichte“ und „Bester Film“
Palm Springs International Film Festival: Publikumspreis für die „Beste Geschichte“
Seattle International Film Festival: Golden Space Needle Award für Larysa Kondracki als „Beste Regisseurin“

Verfügbarkeit: Amazon, iTunes, GooglePlay, Microsoft, Videoload

Kathryn Bolcovac:

Ursprünglich von der US-amerikanischen privaten Sicherheits- und Militärfirma DynCorp, die einen 15 Millionen-Dollar-Vertrag für die Ausbildung und das Training von bosnischen Polizisten hatte, bei den Vereinten Nationen angestellt, ermittelte Kathryn Bolkovac mit Unterstützung von Madeleine Rees gegen Menschenhändler und Zuhälter. Da stellte man fest, dass Angehörige verschiedener UN-Organisationen für die Prostituierten zahlten und an der sexuellen Ausbeutung der Frauen teilnahmen. Viele von ihnen wurden gezwungen, unter dem Verdacht der illegalen Tätigkeit zurückzutreten, aber keiner ist strafrechtlich verfolgt worden, weil sie auch Immunität vor Strafverfolgung in Bosnien genießen. Nachdem sie diese Missstände aufdeckte und verschiedene, auch höhere Ränge der UN-Organisationen aufgefordert wurden, ihre Posten zu räumen, wurde sie von DynCorp entlassen.

Bolkovac reichte in Großbritannien Klage gegen DynCorp wegen ungerechtfertigter Entlassung aufgrund der Offenlegung interner Missstände, auch als Whistleblowing bezeichnet, ein. Am 2. August 2002 wurde der Fall vom Gericht einstimmig zu ihren Gunsten entschieden.

2010 wurde ihre Geschichte verfilmt. 2011 erschien ihr Buch unter dem Titel “The Whistleblower: Sex Trafficking, Military Contractors, and One Woman’s Fight for Justice“ beim Palgrave-MacMillan-Verlag. Nach einer Filmvorführung von The Whistleblower eröffnete der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eine Podiumsdiskussion zum Thema sexuelle Ausbeutung und sexuellen Missbrauch in Konflikt- und Post-Konflikt-Situationen. Die Filmemacher und leitende UN-Beamte sprachen die im Film aufgeworfenen Themen – einschließlich Menschenhandel und Zwangsprostitution – an und forderten die Organisation auf, die Bemühungen um den Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern zu verstärken. Bolkovac lebt jetzt in Nebraskas Hauptstadt Lincoln sowie in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam. Sie hat nach der Affäre keine Anstellung mehr in öffentlichen Diensten gefunden.

Link: Interview mit Kathryn Bolkovac beim “Whistleblower Interview Project”

K.bolkovac
Die echte Kathryn Bolkovac mit Schauspielerin Rachel Weisz bei einer Filmpremiere

10. Belgrad Radio Taxi (Srdjan Koljevic – 2011)

Im Autoradio dudeln Balkan-Schlager, und der Regen prasselt in Strömen gegen die Scheibe. Der griesgrämige Taxifahrer Gavrilo steht auf der Belgrader Autobrücke mal wieder im Stau, da sieht er am Straßenrand eine junge Frau mit einem Baby im Arm und lässt sie einsteigen. Sie blutet, ihre Nase ist gebrochen. Nach kurzer Zeit steigt sie plötzlich wieder aus dem Wagen und stürzt sich ohne zu zögern die Brücke hinunter in den Fluss. Ihr Baby lässt sie in Gavrilos Taxi zurück.

Auf diese Weise treffen unerwartet die Schicksale der Mutter und die dreier Augenzeugen aufeinander: Biljana, der Apothekerin, wird plötzlich bewusst, dass sie ihren Verlobten gar nicht heiraten will. Sie steigt aus seinem Wagen und hält das Auto der Lehrerin Anica an, die sie mitnimmt. Die beiden vertrauen sich langsam ihre schicksalhaften Lebensgeschichten an: Anica hat vor vier Jahren ihren Sohn bei einem Autounfall verloren, ihre Ehe ist daran zu Bruch gegangen. Biljanas Verlobter starb vor zehn Jahren an den Folgen einer Infektion. Ohne es zunächst zu realisieren, wird Anica mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, als einer ihrer Schüler, Marko, ihr auf Schritt und Tritt folgt und sie nicht mehr aus den Augen lässt. Auch Biljana nimmt ihren Mut zusammen und stellt sich ihrer Vergangenheit, indem sie den Eltern ihres früheren Verlobten einen Besuch abstattet. Dabei trifft sie wieder auf Stefan, den jüngeren Bruder ihres ehemaligen Verlobten. Stefan war schon damals in Biljana verliebt und ist es immer noch. Obwohl er vor kurzem geheiratet hat und seine Frau hochschwanger ist, schafft er es nicht, sich von Biljana fernzuhalten. Und auch sie empfindet immer stärkere Gefühle für ihn. Währenddessen macht sich Gavrilo Sorgen um die junge Mutter, Jasmina; nicht zuletzt, weil er sich nun verantwortlich für das Baby fühlt. Unerwartet weckt das Kind lange verdrängte Gefühle in ihm, so dass er es nicht übers Herz bringt, die Kleine im Heim abzugeben. Er kann ihre Mutter schließlich im Krankenhaus ausfindig machen. Um zu verhindern, dass sie in die Psychiatrie verlegt wird, entführt er sie kurzerhand aus dem Krankenhaus und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Hier spricht sie ein erstes Mal und die beiden nähern sich an. Doch die kurze Idylle wird schnell getrübt, als Jasminas Ex-Lover auftaucht.

Genre: Komödie
Originaltitel: Zena sa slomljenim nosem
Produktionsland: Serbien
Originalsprache: Serbisch, Bosnisch
Länge: 101 Minuten
Besetzung: Nebojsa Glogovac (Gavrilo), Anica Dobra (Anica), Branka Katic (Biljana), Jasna Zalica (Jadranka), Nada Sargin (Jasmina), Nikola Rakocevic (Marko), Vuk Kostic (Stefan), Ljubomir Bandovic (Taksista Rajko)

Auszeichnungen:
Züricher Filmfestival: „Bester internationaler Spielfilm ausgezeichnet“
– Tróia International Film Festival Portugal: „Silberner Delfin“ als „Bester Darsteller“ für Nebojsa Glogovac

Verfügbarkeit: Watchbox und Netzkino (gratis), Amazon, iTunes, Videobuster, Pantaflix, videociety, freenet video

 

Bilder: Pressematerial der Filme und offizielle Filmplakate

Videos: Youtube-Links

 

2 Kommentare

  1. Sehr gerne liebe Xeniana! Vielleicht ist ja ein Film für dich dabei? Schreibe doch gerne deine eigene Meinung wenn du einen Film kennst oder dir angesehen hast! Wünsche dir noch eine wunderschöne Woche. Deine hildegardadelheid

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