Serie Balkan

Die Jugoslawienkriege – eine Chronologie der Ereignisse

Was wann geschah:

Eine Chronologie der Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien von 1980 bis heute

„Serie Balkan“

Mai 1980 In Ljubljana stirbt 88-jährig der Staats- und Parteichef Josip Broz Tito.
März/April 1981 Im Kosovo, der vorwiegend albanisch besiedelten Provinz im Süden Serbiens kommt es zu Studentenunruhen.
Mai 1986 Slobodan Milošević wird Vorsitzender des Bundes der Kommunisten Serbiens.
Dezember 1987 Milošević wird Präsident der jugoslawischen Teilrepublik Serbien.
November 1988 Die nationale Welle in Serbien erreicht nach einer Reihe von „Meetings der Wahrheit“ in zahlreichen Städten Serbiens ihren Höhepunkt.
Februar/März 1989 Nach einem Generalstreik reduziert das serbische Parlament die Autonomie des Kosovo beträchtlich und ruft den Ausnahmezustand aus.
Juni 1989 Am 600. Jahrestag der Schlacht auf dem Amsfeld (Kosovo Polje) hält Milošević eine nationalistische Rede und spricht vage von „künftigem Streit“, der auch kriegerisch sein könnte.
Februar 1990 Sloweniens und Kroatiens KP-Organisationen treten aus dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens aus.
April/Mai 1990 Bei der ersten freien Mehrparteienwahl in Kroatien setzt sich überraschend die im Vorjahr gegründete nationalistisch orientierte „Kroatische Demokratische Gemeinschaft“ (HDZ) unter Franjo Tudjman durch.
Juli 1990 Die meisten Abgeordneten des Kosovo-Parlaments erklären ihre Provinz zur „gleichberechtigten und unabhängigen Einheit in der der jugoslawischen Föderation.“ Mehr als 80.000 Albaner werden von den serbischen Behörden von ihren staatlichen Arbeitsplätzen im Kosovo entlassen, unter ihnen 6.000 Lehrer.
September 1990 In einer illegalen Volksabstimmung votieren nach Zahlen der Untergrund Regierung 87 Prozent der Kosovaren für die Unabhängigkeit.
November 1990 Bei der ersten freien Mehrparteienwahl in Mazedonien erreicht die nationalistische VMRO die meisten Stimmen. Die Ex-Kommunisten bleiben aber mit Hilfe einer albanischen Partei an der Macht.
November/

Dezember 1990

Erste freie Mehrparteienwahl in Bosnien und Serbien. In Bosnien siegen die Nationalparteien der drei Staatsvölker, in Serbien erreicht die Sozialistische Partei unter Slobodan Milošević einen großen Sieg.
Juni 1991 Slowenien und Kroatien erklären ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien.
Juni/Juli 1991 Erster jugoslawischer Krieg: Die Nationale Volksarmee versucht vergeblich, die in Slowenien Grenzübergänge in ihre Gewalt zu bekommen. Die Kämpfe kosten 64 Tote und enden nach nur 9 Tagen.
Juli 1991 In Kroatien bricht ein offener Krieg aus, der zweite in Jugoslawien. Die JNA verfolgt das strategische Ziel, die überwiegend serbischen Gebiete unter Kontrolle zu bekommen.
September 1991 Mazedonien erklärt sich für unabhängig.
Januar 1992 Die heiße Phase des Kroatienkrieges endet mit einem Waffenstillstand. Es gab etwa 10.000 Tote, knapp 30% des Territoriums bleiben als UNO-Schutzzonen der Regierungskontrolle entzogen.
Februar/März 1992 Bei einem Referendum in Bosnien-Herzegowina stimmen 63% der Bevölkerung – fast nur Muslime und Kroaten – für die Unabhängigkeit des Landes. Die Serben boykottieren.
April 1992 Nach der Unabhängigkeitserklärung und der Anerkennung durch die USA bricht in Bosnien der dritte jugoslawische Krieg aus. Er dauert dreieinhalb Jahre und kostet etwa 200.000 Menschen das Leben. Mehr als zwei Millionen verlieren ihre Wohnung.
Mai 1992 Kosovo-Albaner halten illegale Wahlen ab. Die Organisation eines parallelen „Untergrund-Staates“ beginnt.
Mai 1992 Die UNO beschließt umfassende Wirtschaftssanktionen und ein Embargo gegen Jugoslawien, das seit dem vorigen Monat nur noch aus Serbien und Montenegro besteht.
September 1992 Jugoslawien wird aus der UNO ausgeschlossen.
Oktober 1992 Im bosnischen Krieg verschieben sich die Fronten: Kämpften bisher Serben gegen die vereinigten Muslime und Kroaten, treten nun Kämpfe zwischen Muslimen und Kroaten in den Vordergrund. Die Serben halten etwa 70% des Territoriums.
April 1993 Mazedonien wird unter dem Namen „Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien“ UNO-Mitglied.
Mai 1992 Der internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien ( ICTY) wurde durch Resolution 827 des UNO-Sicherheitsrats vom 25. Mai 1993 geschaffen und ist zuständig für die Verfolgung schwerer Verbrechen, die seit 1991 in den Jugoslawienkriegen begangen wurden.
Februar 1994 Die Nato greift zum ersten Mal ein und schießt serbische Flugzeuge ab, die ein Flugverbot über Bosnien missachtet haben.
März 1994 Bosnische Kroaten und Muslime schließen in Washington Frieden.
Dezember 1994 Der internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag kann seine Tätigkeit voll aufnehmen.
Mai/August 1995 In zwei Blitzaktionen erobert die kroatische Armee die UNO-Schutzzonen in Kroatien. Sowohl die serbische Armee als auch die internationale Gemeinschaft halten still.
September 1995 Mit Luftunterstützung der NATO nehmen kroatische und bosnische Truppen in Bosnien Teile der von Serben gehaltenen Gebiete ein.
November 1995 Die Präsidenten Serbiens, Kroatiens und Bosniens schließen in Dayton (Ohio, USA) einen Friedensvertrag. Bosnien besteht seither aus zwei weitgehend autonomen „Einheiten“ unter einem Dach.
Februar 1996 Im Kosovo tritt mit Bombenanschlägen erstmals die albanische „Befreiungsarmee“ UÇK auf den Plan.
Februar/März 1998 Nach serbischen Polizeiaktionen gegen die dörflichen Anwesen des UÇK-Gründers Adem Jashari und anderer Rebellen, bei denen 87 Menschen ums Leben kommen, bricht im Kosovo ein albanischer Aufstand los.
Mai 1998 Der neue montenegrinische Präsident Milo Djukanović bricht mit Belgrad.
März 1999 Nach dem Scheitern von Friedensverhandlungen auf Schloss Rambouillet bei Paris bombardiert die NATO 78 Tage lang Jugoslawien.
Juni 1999 Der Kosovo wird UNO-Protektorat; eine NATO geführte Schutztruppe marschiert friedlich ein.
Februar 2000 In drei südserbischen Gemeinden wird eine weitere albanische „Befreiungsarmee“ unter dem Kürzel UÇMPB aktiv. Der Konflikt wird erst im Jahr darauf unter NATO-Vermittlung beigelegt.
Oktober 2000 Slobodan Milošević wird nach einer gefälschten Wahl durch Massendemonstrationen gestürzt. In der Folge werden die Sanktionen gegen Jugoslawien aufgehoben.
März 2001 Eine dritte albanische „Befreiungsarmee“ tritt in Mazedonien auf den Plan.
Juni 2001 Slobodan Milošević wird von serbischer Polizei an das Haager Kriegsverbrechertribunal überstellt. Milošević  gilt als Schlüsselfigur der Jugoslawienkriege und wird in 66 Anklagepunkten in drei Anklageschriften zum Kroatienkrieg, zum Bosnienkrieg und zum Kosovokrieg angeklagt, darunter Verbrechen gegen die Menschlichkeit  Verstöße gegen die Gesetze und Gebräuche des Krieges und gegen die Genfer Konventionen sowie Völkermord. Milošević erkennt das Gericht nicht als legitim an. Das Gericht erlaubt ihm, sich selbst zu verteidigen. Er plädiert auf nicht schuldig.
August 2001 Nach Anschlägen und einigen Schießereien schließen mazedonische und albanische Parteien in Ohrid ein Abkommen, an dem die mazedonische UÇK indirekt beteiligt ist.
März 2002 Die beiden letzten jugoslawischen Teilrepubliken Serbien und Montenegro einigen sich unter dem Druck der EU, unter einem gemeinsamen staatlichen Dach zu bleiben. Der Kosovo gehört weiterhin zu Serbien.
Januar 2003 Jugoslawien wird in „Serbien und Montenegro“ umbenannt.
Mai 2004 Slowenien wird Mitgliedsstaat der Europäischen Union.
Juni 2004 Kroatien wird offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.
Dezember 2005 Ante Gotovina, ehemaliger General der kroatischen Streitkräfte (HV) wird auf Teneriffa festgenommen. Er hat gefälschte Ausweispapiere bei sich. Der Ex-General hat sich auf verschiedenen Inseln des Archipels versteckt gehalten. Gotovina wird vom ICTY in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, die Truppen unter seinem Kommando verübt haben sollen. International wurde den kroatischen Behörden mangelndes Interesse an einer Ergreifung Gotovinas vorgeworfen, wodurch die Beitrittsverhandlungen Kroatiens mit der EU für 7 Monate zurückgestellt wurden.
Dezember 2005 Mazedonien wird offiziell Beitrittskandidat der EU. Beitrittsverhandlungen wurden bisher allerdings noch nicht aufgenommen. Ein Hindernis für den EU-Beitritt ist der Namensstreit zwischen Mazedonien und dem EU-Mitglied Griechenland, das den Namen „Mazedonien“, bzw. Makedonien für sich beansprucht.
Mai 2006 In einem Unabhängigkeitsreferendum in Montenegro stimmen 55,49% der Wähler für eine Unabhängigkeit Montenegros von Serbien.
März 2006 Slobodan Milošević wird tot in seiner Zelle in der United Nations Detention Unit, dem Gefängnis des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, aufgefunden. Eine erste Obduktion der Leiche durch vom Gericht bestellte Gutachter ergab, dass er an einem Herzinfarkt verstorben war. Die Beweisaufnahme war zum Zeitpunkt seines Todes weitgehend abgeschlossen, ein Urteil sollte im Laufe des Jahres 2006 gefällt werden. Der Beweislage nach zu urteilen wäre Milošević verurteilt worden.
Juni 2006 Das serbische Parlament in Belgrad folgt seinerseits dem Unabhängigkeitsreferendum in Montenegro mit der faktischen Erklärung der Rechtsnachfolge Serbien-Montenegros durch Serbien. Serbien erklärte sich selbst als Nachfolgestaat von Serbien-Montenegro nicht für unabhängig, da es Montenegro zunächst nicht als unabhängigen Staat anerkannte. Schließlich aber wurde Montenegro von Serbien anerkannt; damit sind beide Staaten endgültig unabhängig.
März 2007 Das ICTY bestätigt, dass kroatische Behörden bei der Ergreifung Gotovinas eine Schlüsselrolle gespielt haben.
Februar 2008 Der Kosovo erklärt sich selbst in einer Unabhängigkeitserklärung als souveräner Staat.
März 2008 In Den Haag beginnt der Prozess gegen Ante Gotovina und zwei Mitangeklagte Generäle.
Juli 2008 Das serbische Präsidialamt verkündet die Festnahme von Radovan Karadžić in Serbien. Karadžić, bosnischer Serbe, war Parlamentspräsident der Sozialistischen Republik Bosnien und Herzegowina (1990–1992) und Präsident der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina (1992–1996). Im Zusammenhang mit dem Bosnienkrieg lag seit 1996 ein internationaler Haftbefehl des Haager Tribunals gegen ihn vor. Ihm wird vorgeworfen, während seiner Amtszeit Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit befohlen zu haben. Nach Angaben serbischer Ermittler habe er vor seiner Festnahme unter falscher Identität und mit stark verändertem äußeren Erscheinungsbild als „Dragan David Dabić“ unbehelligt in Belgrad gelebt und in einer Arztpraxis als „Alternativmediziner“ gearbeitet. Er wird an den ICTY ausgeliefert.Vor dem Tribunal erschien er auf eigenen Wunsch ohne Strafverteidiger.
Oktober 2009 Der Prozess gegen Radovan Karadžić vor dem ICTY Beginnt. Er weist jegliche Schuld am Bosnienkrieg von sich und plädiert auf nicht schuldig.
Dezember 2009 Serbien reicht die offizielle Bewerbung um eine EU-Mitgliedschaft ein. Die Beziehungen zwischen Kosovo und Serbien werden als Verhandlungspunkt in die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union aufgenommen, da Serbien den Kosovo nicht als Unabhängigen Staat anerkennt.
April 2011 Ante Gotovina wird vom Internationalen Strafgerichtshof in erster Instanz zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt, unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verletzung der Gesetze oder Gebräuche des Krieges. Gotovina legt Berufung ein.
März 2012 Serbien wird offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union
Juni 2012 Montenegro wird offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.
Mai 2011 Radko Mladić, ehemaliger bosnisch-serbischer General, der von 1992 bis 1996 Oberbefehlshaber der Vojska Republike Srpske (Streitkräfte der Republika Srpska innerhalb von Bosnien und Herzegowina) war, wird in Lazarevo in Serbien verhaftet und an den ICTY überstellt.
Juni 2011 Radko Mladić steht erstmals vor dem UN-Tribunal. Es hatte Anklage in elf Punkten gegen ihn erhoben, darunter Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 (unter anderem die knapp vierjährige Belagerung von Sarajevo und das Massaker von Srebrenica). Mladić plädiert auf nicht schuldig.
Juli 2011 Prozessauftakt gegen Radko Mladić. Mladić gibt nur seine Personalien bekannt, Er gibt an, schwer krank zu sein und dass er die 37-seitige Anklageschrift noch nicht durchgelesen habe. Ab dem zweiten Prozesstag wird Mladić vom vorsitzenden Richter Alphons Orie des Saales verwiesen, weil er durch Zwischenrufe die Anhörung mehrmals gestört hat.
Mai 2012 Der Prozess gegen Radko Mladić wird aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes auf unbestimmte Zeit vertagt.
September 2012 Der Kosovo erklärt sich auch als international unabhängigen Staat und wird somit der jüngste Staat Europas. Bis heute haben 111 von 193 UN- Mitgliedsstaaten die Unabhängigkeit des Landes anerkannt. Andere Staaten halten die einseitig ausgerufene Unabhängigkeit für rechtswidrig und betrachten das Kosovo weiterhin als einen Teil Serbiens, auch wenn die serbische Regierung keine Kontrolle mehr über das Gebiet ausübt.
November 2012 Im Berufungsverfahren wird Ante Gotovina von allen Anklagepunkten freigesprochen und aus der Haft entlassen. Er kehrt nach seiner Freilassung nach Kroatien zurück und wird wegen „besonderer Verdienste im Heimatkrieg“ zum Ehrenbürger der kroatischen Stadt Split ernannt.
Juli 2013 Kroatien wird der jüngste Mitgliedsstaat der Europäischen Union.
Mai 2014 Im Prozess gegen Radko Mladić am ICTY werden die ersten Zeugen aufgerufen.
Februar 2016 Bosnien und Herzegowina reicht offiziell den Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union ein.
März 2016 Radovan Karadžić wird vom UN-Kriegsverbrechertribunal für Kriegsverbrechen bei der Belagerung Sarajevos, Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Teilen Bosniens und für den Völkermord in Srebrenica mit 8000 Toten für schuldig gesprochen und insgesamt zu 40 Jahren Haft verurteilt.
Dezember 2016 In dem seit mehr als vier Jahre laufenden Völkermord-Prozess gegen Ratko Mladic beginnt die letzte Phase. Die Ankläger in Den Haag beginnen mit ihren Schlussplädoyers. Dem „Schlächter vom Balkan“ droht eine lebenslange Haftstrafe. Ein Urteil wird für November 2017 erwartet. Es ist der letzte Prozess zu Kriegs-verbrechen während der Jugoslawien-Kriege der Neunziger-Jahre.
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Die Teilstaaten des ehemaligen Jugoslawiens: Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien und das Kosovo

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