Aktenzeichen XY warnt vor der „Loverboy-Methode“

Die sogenannte „Loverboy-Methode“ ist eine besonders perfide Form der Zwangsprostitution. Die Sendung „XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!“ zeigt das Schicksal von Sandra Novak, die mit der Loverboy-Methode als Teenager in die Prositution gezwungen wurde. Nach sechs Jahren Märtyrium schaffte sie es aus eigener Kraft sich aus diesem Teufelskreis zu befreien. Sie holte ihr Abitur nach und studiert heute erfolgreich Jura. Sie engagiert sich seitdem als Aktivistin gegen Prostitution und leistet wertvolle Präventionsarbeit an Schulen. Ihr Auftritt in der Sendung von Rudi Cerne war so ergreifend, dass es sowohl dem Moderator als auch dem Publikum offenkundig schwer fiel, zum nächsten Themenpunkt überzugehen.

Der Beitrag der Sendung ist in der ZDF-Mediathek abrufbar:

„Aktenzeichen XY…ungelöst: Betrogen, ausgenutzt und zur Prostitution gezwungen – So gefährlich sind Loverboys“

Bei Betrug im herkömmlichen Sinne denkt jeder zunächst an Geld, bzw. finanziellen Verlust. Und in den allermeisten Fällen ist das auch richtig. Aber es gibt tatsächlich noch eine perfidere und grausamere Form von Betrug. Nämlich den Betrug am Menschen, seinen Gefühlen und seiner Liebe.

Bei der Loverboy-Masche geht es allerdings gar nicht mehr um „Betrug“ im juristischen Sinne, sondern um Menschenhandel und Zwangsprostitution. Loverboys sind nicht etwa die sogenannten Toyboys betuchter Damen. Loverboys sind skrupellose Zuhälter und Menschenhändler – kriminelle Verbrecher. Sie bringen naive, junge Mädchen dazu, sich für sie zu prostituieren und sexuell ausbeuten zu lassen. Eine Masche, die besonders verwerflich ist, weil sie mit Gefühlen spielt und die Opfer dann physisch und psychisch völlig zerstört. Loverboys bringen ihre Opfer an wahrhaft menschliche Abgründe – aus reiner Habgier…

Loverboys: die gefährlichste Masche der Welt

Loverboys sind Zuhälter mit Don-Juan-Allüren, die meist selbst noch Teenager sind und minderjährige Mädchen im Alter ab elf Jahren in die Prostitution bringen. Loverboys sprechen von der großen Liebe, machen großzügige Geschenke, schleichen sich im Freundeskreis ein, suchen sich ihre Opfer vor Schulen, in der Nähe von Jugendtreffs oder im Web. Sie machen ihre Opfer von sich abhängig – zunächst emotional, später finanziell, sodass die Opfer ihnen irgendwann vollkommen ausgeliefert und hörig sind.

Wer sind die Opfer?

Opfer sind Mädchen aus ganz normalen Verhältnissen. Loverboys gehen sehr strategisch vor, achten anfangs sogar darauf, dass die Mädchen Hausaufgaben machen und nicht schwänzen, damit die Eltern möglichst lange nichts merken. Wer einmal in die Fänge eines Loverboys gerät, hat nur wenige Chancen wieder von ihm los zu kommen. Die Mädchen werden von ihrer Familie entfremdet, von Freunden des Loverboys vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen und verschwinden oft spurlos.

Jeder Loverboy geht anders mit Mädchen um. Alle haben aber etwas gemeinsam: Sie lieben das Mädchen nicht. Niemand verlangt von seiner Freundin, die er liebt, dass sie mit seinem Freund schläft, um Schulden für ihn abzuzahlen. Niemand verlangt von seiner Freundin, für eine gemeinsame Zukunft in der Prostitution zu arbeiten. Niemand verlangt von seiner Freundin, Drogen zu nehmen, Drogen an andere zu verkaufen oder Waffen zu schmuggeln. Niemand schlägt die Frau, die er liebt!

(Text: ZDF)

Auf der Seite der Sendung gibt das ZDF wichtige Warnhinweise für Mädchen und Hilfestellungen für Eltern und Betroffene:

Daran kannst du erkennen, ob dein Freund ein Loverboy ist:

  • Spricht dein Freund schlecht über Menschen, die dir wichtig sind?
  • Bekommst du oft tolle Geschenke von ihm?
  • Gibt er ungewöhnlich viel Geld für dich aus?
  • Handelt er mit Drogen oder Waffen oder benutzt er diese?
  • Hat er sehr viel freie Zeit?
  • Hat er sehr teure Kleidung, ein teures Auto?
  • Kennt er Leute, aus dem Rotlicht-Milieu?
  • Hat er Freunde, die als Zuhälter arbeiten?
  • Hast du ihn öfters bei einer Lüge ertappt?
  • Möchte er, dass du dir ein bestimmtes Tattoo stechen lässt? Loverboys markieren ihre Prostituierten oftmals mit Tattoos.
  • Hast du dein Verhalten gegenüber Familie / Freunden verändert, seit du ihn kennst?
  • Was arbeitet er? Welchen Beruf hat er gelernt?
  • Auf welche Schule ist er gegangen?
  • Hast du schon mal Zweifel gehabt an Dingen, die er dir erzählt hat?
  • Verlangt er Dinge, die du nicht machen willst?
  • Hast du manchmal Angst vor ihm?
  • Will er nach deiner Meinung zu schnell Sex?
  • Sagt er oft Dinge, die du nicht hören willst?
  • Will er, dass du mit deinem Körper Geld machst?

Wenn dein Freund diese Dinge von dir verlangt oder dies mit dir macht, dann ist es keine Liebe. Er benutzt dich, er missbraucht dich für seine Geschäfte. Er hat keine Gefühle für dich. Er nutzt dich aus! Er will dich sexuell ausbeuten. Sag „Nein“!

Wie können Eltern erkennen, ob ihr Kind Opfer ist?

Es ist nicht leicht, Opfer eines Loverboys zu erkennen. Die Mädchen haben häufig gelernt ein Parallelleben mit Lügen und Leugnen zu führen. Es gibt natürlich keine Norm für Opfer oder potenzielle Opfer, aber es gibt Hinweise und Auffälligkeiten, die bei bisher bekannten Opfern immer wieder festgestellt wurden.

Einzelne dieser Auffälligkeiten kommen bei vielen pubertierenden Jugendlichen vor. Treten sie jedoch gehäuft auf, so können sie Indiz für einen Kontakt zu einem Loverboy, oder einen sexuellen Missbrauch sein.

Anzeichen, die auf Kontakt mit einem Loverboy hinweisen können:

  • Depressives Verhalten
  • Verschlechterung der schulischen Leistungen
  • Ständig müde und abgemagert
  • Blaue Flecken, besonders an Armen und Rücken
  • Verletzt sich selbst, z. B. durch ritzen
  • Zunehmender Alkohol- / Drogenkonsum
  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Duscht sehr oft und sehr lange
  • Unsicher, wenig realistisches Selbstwertgefühl
  • Scheint keine eigene Identität zu haben
  • Veränderung des Kleidungsstils, trägt viel Make-up
  • Gibt viel Geld für Kleidung aus
  • Häufig aggressiv gegenüber der Familie
  • Hat mehrere Handys oder Prepaidkarten
  • Hohe Telefonrechnung
  • Bekommt ständig SMS
  • Telefoniert häufig im Bad / auf der Toilette
  • Hat neue Kontakte, oft mit älteren Jungen
  • Wird mit dem Auto zur Schule gebracht
  • Kündigt Freundschaften / lehnt Besuche ab

Was können Betroffene tun?

Kontakt aufnehmen! unter: b.kannemann@no-loverboys.de . Möchtest Du Deinen Namen nicht nennen, so ist dies kein Problem. Wenn du eine Telefonnummer angibst, wirst du zurückgerufen. Vertrauen ist wichtig!

Eltern, die glauben, ihr Kind sei Opfer eines Loverboys geworden, oder sich nicht sicher sind, wie die Verhaltensauffälligkeiten ihrer Tochter zu deuten sind und sich scheuen einen ungerechtfertigten Verdacht zu äußern, können ebenfalls jederzeit anonym Kontakt aufnehmen.

Links zum Thema:

„My Life in Prostitution“ – Blog der Aktivistin Sandra Norak

Unbenannt

„No Loverboys e.V.“ 

Unbenannt3

SISTERS – FÜR DEN AUSSTIEG AUS DER PROSTITUTION! E.V.

Unbenannt2

Presse:

„Mutige Beichte bei „Aktenzeichen XY“: Ex-Prostituierte rührt Millionenpublikum“ – Andreas Schoettl – Mittelbayerische

 

Titelbild: ZDF

 

4 Kommentare

      1. ❤ Ja da hast du natürlich Recht ❤ Ich konnte aber auch nicht anders, wenn unter uns solche abgrundtief schlechten Menschen unterwegs sind, die mit Psycho-Manipulation jungen Mädchen die Würde und den Körper rauben. Sie suchen sich ja ganz bewusst die besonders Verletzlichen aus. Und die Botschaft von Sandra Norak und ihren Mitstreiterinnen kann gar nicht radikal genug formuliert sein: Prostitution ist niemals freiwillig, verstößt gegen die Menschenwürde und gegen das Menschenrecht auf körperliche Selbstbestimmung und Unversehrtheit. Und das Zuhälterparadies Deutschland schafft ideale Voraussetzungen für diese Art der Ausbeutung. Wann ist damit endlich Schluss?!

        Gefällt 1 Person

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