Abtreibungsreferendum in Irland: ein klares „Yes“ für die Abschaffung des Abtreibungsverbots

Gestern stimmte Irland per Referendum über die Abschaffung des „8th Amendement“ ab, ein Zusatzartikel in der irischen Verfassung, der Abtreibung strikt verbietet. Bis zuletzt fand ein erbitterte Kampf zwischen Abtreibungsbefürwortern und Abtreibungsgegnern statt. Der Ausgang war bis zuletzt ungewiss. Umfragen betitelten den Anteil der noch unentschiedenen Wähler*innen auf ca. 20%. Heute findet die Auszählung statt und das Ergebnis ist historisch: Hochrechnungen ergeben einen klaren Sieg von knapp 70% „Yes“-Stimmen.

Die verfassungsrechtliche Verankerung, die vorschreibt, das Lebens des Ungeborenen sei gegenüber dem Leben der Schwangeren „gleichermaßen zu schützen“, das „8th Amendement“ hatte das restriktivste Abtreibungsverbot in der EU zu folge. Das ist nun Geschichte. Durch die Abschaffung des „8th“ hat das Parlament nun die Möglichkeit, die Abtreibungsgesetzgebung zu liberalisieren. Die Regierung plant, eine Abtreibung bis zu 12. Schwangerschaftswoche ohne Angaben von Gründen und einer Bedenkzeit von 72 Stunden zu legalisieren. Darüber herrscht allerdings noch Uneinigkeit, auch innerhalb der größten Parteien. Einen Fraktionszwang soll es nicht geben. Tausende im Ausland lebende Ir*innen waren extra für das Referendum angereist, zum Teil finanziell unterstützt durch Hilfsfonds, denn die Stimmabgabe vom Ausland aus war nicht möglich.

Die meisten Beobachter hatten ein erheblich knapperes Ergebnis erwartet. Doch offenbar gab es in letzter Minute einen Schub für die Befürworter – auch durch diejenigen, die lange unentschieden waren. Auch die erwartete Spaltung zwischen Stadt und Land, jung und alt, Männern und Frauen blieb offenbar aus. Lediglich die Altersgruppe der über 65-jährigen Iren hat – den Prognosen zufolge – dafür gegen die Abschaffung des 8. Verfassungszusatzes gestimmt. Die jungen Wähler dagegen haben sich demnach zu rund 85 Prozent für die Liberalisierung entschieden. Durch das prognostizierte Votum für eine Liberalisierung des Abtreibungsverbotes spiegelt auch eine andere Entwicklung im Land wieder: Die einst so traditionell moralisch tonangebende katholische Kirche hat – nach zahlreichen Missbrauchsskandalen – an Einfluss verloren. Viele Ir*innen sind zwar nach wir vor religiös, aber sie akzeptieren die Kirche immer weniger als moralische Instanz. Dies bewies schon ein Referendum in 2015, in dem die irische Bevölkerung mit deutlicher Mehrheit für die Einführung der „Homo-Ehe“ stimmte.

Die „No“-Seite der Abtreibungsgegner räumte enttäuscht ihre Niederlage ein, gab aber an, den Kampf nicht aufzugeben. Im „Yes“-Lager herrschen unterdessen Jubel, Feierlaune, Freudentränen und Überwältigung hinsichtlich des deutlichen und wahrhaft historischen Sieges.

Orla O’Connor, Vize-Direktorin der siegreichen Kampagne äußerte sich wie tagesschau.de berichtet :

„Dies wird ein bedeutender Tag und alle von ‚Together for Yes‘ wollen allen Frauen und allen Männern in allen Städten und allen Landkreisen danken, die mit ‚Ja‘ gestimmt haben. Denn dies ist phänomenal.“

Der irische Premierminister Leo Varadkar von der konservativen Partei Fine Gael, der das Referendum angestoßen hatte äußerte sich ähnlich begeistert:

„Was wir heute sehen ist der Höhepunkt einer stillen Revolution, die in Irland in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren stattgefunden hat. Die Menschen haben gesagt, dass sie eine moderne Verfassung für ein modernes Land wollen.“

Andanappa Yalagi, derer Vater der während einer Fehlgeburt tragisch verstorbenen Savita Hallapannavar, die durch ihren sinnlosen Tod 2012 zur Ikone der irischen Abtreibungsaktivist*innen war, äußerte sich sich gegenüber der „Irish Times“ aus seiner Heimat Belgaum Karnataka im Süd-Westen von Indien:

„Ich möchte Ihnen so sehr danken. Ich möchte all unseren Brüdern und Schwestern in Irland Danke sagen, dass sie mit „Ja“ gestimmt haben. Es ist sehr wichtig. Irische Frauen haben wirklich viel zu viel gelitten. Wir sind wirklich, wirklich glücklich. Wir haben die eine letzte Bitte, dass das neue Gesetz „Savita’s Law“ heissen wird. Es sollte nach ihr benannt werden.“

Video: aktueller Tagesschau-Bericht aus Dublin (26.05.2018, 17:00h)

Die Organisator*innen der Yes-Kampagne bedanken sich bei den Wählern zum Sieg:

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