Die Politik von Seehofer&Co. bringen Schande über mein Bundesland!

Wer in Bayern aufgewachsen ist kennt das: man ist immer ein bisschen Stolz auf das „Bayerische“.  Dirnd’l und Lederhosen, die wir als Kinder ganz selbstverständlich auch im Alltag getragen haben, der unnachahmliche Dialekt den sich kein Nicht-Bayer authentisch aneignen kann, die schönen Berge auf denen man das Skifahren fast direkt nach dem Laufen gelernt hat, die schöne Stadt München, das Oktoberfest, Butterbrezen in der Pause und so weiter.

Jetzt bin ich nicht die Klischee-Bayerin. Ich komme nicht vom Dorf, spreche Hochdeutsch, bin evangelisch getauft, bin Vegetarierin die sich vor Brathähnchen ekelt und mag kein Bier (!). Auf das Oktoberfest gehe ich äußerst selten weil es mir zu voll, zu kommerziell, zu prollig ist. Trotzdem bin ich Bayerin, in einer Kleinstadt am Rand von München aufgewachsen. Man bekommt da diesen speziellen bayerischen Regionalstolz praktisch mit in die Wiege gelegt. Ich bin zwar viel in der Welt herum gekommen, wohne aber seit 9 Jahren wieder in München und wohne auch gerne hier. In meinem Kleiderschrank hängen drei Dirnd’l die kein Souvenir-Stand-Polyester-Scheiss oder billiger Landhaus-Look sind. Eines davon habe ich von meiner Mutter geerbt. Ich lache mich tot über Karl Valentin, Gerhard Polt oder Monika Gruber, und finde den Dialekt in den meisten Fällen charmant und liebenswert. Eine Art „Geheimsprache“ der Bayern, da sie sich ja so weit vom Hochdeutschen abhebt, dass Deutsche nördlich des „Weißwurstäquators“ (die Donau) aufgewachsen sind und leben, plötzlich nix mehr verstehen. Und Bayern ist ja innerhalb Deutschlands auch durchaus beliebt. Die Berge sind Anziehungspunkt für Bergsportler, die hügelige Landschaft ist sehr schön, und während der Wien’n kriegt man so viele Übernachtungsanfragen von Freunden außerhalb Münchens, die man nicht alle unterbringen kann. Selbstverständlich legen sich sämtliche Besucher auch ein entsprechendes Outfit zu. Es ist ein bisschen wie in Köln: alle sind verkleidet und alle sind besoffen. Das scheint viel Spaß zu machen.

Aber mittlerweile ist mir das Lachen längst vergangen. Schuld ist die CSU, und alle diejenigen, die ihrer aktuellen Wahlkampf-Symbol-Polit-Taktik auf den Leim gehen. Horst Seehofer torpediert seine eigene Regierungskoalition und Markus Söder leistet sich ein No-Go nach dem anderen. Das Klima ist vergiftet. Es ist widerlich. Und das Schlimmste ist: vermutlich hat die CSU bei den kommenden Landtagswahlen Erfolg damit. Das macht mir Angst. Denn der Kurs den die CSU eingeschlagen hat, um sich Wählerstimmen vom rechten Rand zurückzuholen, ist nicht nur falsch, sondern gefährlich. Damit schadet die CSU Deutschland, sie schadet Europa und sie schadet Bayern. Das ist nicht mein Bayern.

Mit diesem Gefühl scheine ich nicht die einzige zu sein.

Erst kürzlich postete der promovierte Biologe Jörg Brühmann  auf Facebook ein Foto von sich in Tracht und einem Schild mit der Aufschrift „Ned mei Bayern, ned mei Horst“ (nicht mein Bayern, nicht mein Horst), weil der gebürtige Bayer sein Bayern in der öffentlichen Debatte nicht wiedererkennt. Es wurde zehntausendfach geteilt und gelikt.

Nun schrieb der aus Bayern stammende VICE-Autor Philipp Luther den Artikel „Ich schäme mich, ein Bayer zu sein“, indem er die aktuelle CSU Politik und ihre Akteure scharf kritisiert. Der Artikel spricht mir aus der Seele. Unter anderem schreibt Luther:

Wofür ich mich als Bayer wirklich schäme, das ist die CSU. Die Partei sieht sich als Vertreterin aller Bayern: Sie führt die Landesfarben Weiß und Blau im Parteilogo und schmückt sich mit dem Staatswappen, dem bayerischen Löwen. Sie knüpft damit an das bayerische Adelsgeschlecht der Wittelsbacher an, das Bayern bis 1918 fast 800 Jahre lang beherrschte. Das ist ein unmissverständliches Signal: Bayern, das ist die CSU; die CSU ist Bayern. […] Das ist nicht mehr sehr weit weg von einem absolutistischen Herrschaftsverständnis. „L’état, c’est moi“, meinte der französische Sonnenkönig. In Bayern heißt es selbstgefällig „L’état, ce sommes nous“: Mia san mia.“

„Ich schäme mich, ein Bayer zu sein“ – Philipp Luther – VICE

Sexismus, Zensur, Kruzifixe, Ausgrenzung von psychisch Kranken und Hetze gegen Flüchtlinge – ich will mit meinem Bundesland nichts mehr zu tun haben.

Ich schließe mich den beiden an und sage:

Gschamt’s ihr eich eigntlich ned?

(Schämt ihr euch eigentlich nicht?)

Mehr zum Thema:

„Bayern: Ned mei Horst“ – Bernadette Mittermeier – ZEIT

„Populismus in Europa: Seehofer und Söder sind ein Sicherheitsrisiko für Deutschland“ – Kommentar von Stefan Ulrich – SZ

„AUSLÄNDERPOLITIK: Tutzinger CSU-Granden schicken Brandbrief an Seehofer“ – Peter Schiebel – Merkur

„Kein #Kreuzzwang in öffentlichen Institutionen!“ Petition auf Chance.org

 

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