„Ich nehme Ritalin gegen mein Aufmerksamkeitsdefizitsynd … oh, ein Eichhörnchen!“: Artikel gegen Vorurteile über ADS, Ritalin und psychische Erkrankungen, aus der „Vice“

„Die meisten Ritalin-Patienten berichten von dem Gefühl, sich in einen Roboter zu verwandeln, der emotionslos und fokussiert arbeiten kann. Bei mir passiert genau das Gegenteil.

Shahak Shapira schreibt in seinem Artikel über seine Erkrankung „ADS“ auch Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, das, entgegen dem Wissen vieler, auch im Erwachsenenalter weiter bestehen kann und bei vielen Betroffenen auch erst dann diagnostiziert wird. Ausserdem erklärt er, dass „Ritalin“, an seinem Beispiel, nicht wie eine Droge wirkt, sondern schlicht und einfach, die Probleme durch ADS, nämlich dass man sich, häufig bei hohem IQ, nicht auf eine Sache konzentrieren kann, behebt. Betroffene berichten, wie sehr ihnen das Medikament hilft. Als Push-Up-Droge die Jura-oder Medizinstudenten benutzen, um länger wach zu bleiben, wirkt der Wirkstoff Methyphenidat, ein Amphetamin, nur, wenn man nicht von ADHS oder ADS betroffen ist. Bei den Patienten bewirkt es genau das Gegenteil: sie werden ruhiger und fokussierter, Shashak Shapira berichtet sogar, dass er sozialer und kommunikativer wird, weil der „Dauerstrom in seinem Kopf“ aufhört.

In seinem humorvollen und nicht selten sarkastischen Artikel schreibt der Autor gegen die Vorurteile an, die gegenüber Menschen mit ADS, ADHS und dem Medikament an und, besonders wichtig, auch gegen die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen allgemein.

So schreibt er z.B.

„Wenn du dir den Arm brichst, würde niemand auf die Idee kommen, dir eine Behandlung mit Tee und Räucherstäbchen zu empfehlen. Bei mentalen Baustellen scheinen es aber viele für einen plausiblen Lösungsvorschlag zu halten—sogar die Krankenkassen. Da die Diagnose erst nach meinem 18. Lebensjahr erfolgte, muss ich die Kosten für die Medikamente selbst tragen. Das sind etwa 140 Euro im Monat. Homöopathische Globuli-Scheiße übernimmt die Krankenkasse wiederum herzlich gerne. Eine private Krankenversicherung kann ich für den Rest meines Lebens vergessen, genau wie jeder andere, der unter einer psychischen Störung leidet oder gelitten hat. Die werden durchweg abgelehnt. Das spiegelt eigentlich den Umgang der Gesellschaft mit geistigen Erkrankungen perfekt wider.“

und:

„Ich kann sehr gut verstehen, dass viele Menschen, die psychische Probleme haben, diese für sich behalten. Wir leben in einer Gesellschaft, die für sowas kein Verständnis hat. Wer diese vermeintliche „Schwäche“ von sich preisgibt, kann fest damit rechnen, danach anders wahrgenommen zu werden. Viele Menschen nutzen das aus, um einem Unfähigkeit oder Irrationalität zu unterstellen. (…) Es wird Zeit, dass wir unseren Umgang mit psychischen Störungen überdenken. Es wird Zeit, dass wir Depressionen, ADS, ADHS (…) als das bezeichnen, was sie sind. Es wird Zeit, dass wir aufhören, Menschen mit psychischen Erkrankungen auszuschließen und zu diskriminieren.“

Lesenswert!

 

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