Urteil im „Paradise-Prozess“: Bordell-Chef Rudloff muss für fünf Jahre ins Gefängnis

Der bekannte Bordell-Betreiber Jürgen Rudloff, 65, wurde am Stuttgarter Landgericht wegen Beihilfe zu Zuhälterei und wegen Beihilfe zu schwerem Menschenhandel zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Sein Marketingchef Michael Beretin erhielt drei Jahre und drei Monate. Rudloffs ehemaliger Steuerberater bekam eine einjährige Bewährungsstrafe.

Im Verfahren wurde nachgewiesen, dass in den beiden Bordellen zwischen März 2008 und Dezember 2014 mindestens 17 Prostituierte den Gewaltattacken von Menschenhändlern und Zuhältern ausgeliefert waren. Der Richter sagte „Ein sauberes Bordell in dieser Größe ist nicht vorstellbar“. Geschäftsführer eines Bordells müssten schon dann zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie mit „Billigung von Menschenhändlern und Zuhältern“ Frauen in ein Bordell schickten; selbst dann, wenn die Betreiber von den konkreten Drangsalierungen keine Kenntnis hätten, so der Richter.

Jürgen Rudloff betrieb mehrere Großbordelle, das bekannteste darunter das „Paradise“, ein Großbordell im Raum Stuttgart. Rudloff war durch zahlreiche Talkshow-Auftritte bekannt, in denen er eine „saubere Prostitution“ propagierte.

Im Juni 2009 wurde ein Zuhälter wegen schweren Menschenhandels, Zuhälterei und – in einem zweiten Fall – wegen schwerer Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte seine zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alte Freundin zur Prostitution unter anderem im Paradise gezwungen.

Im November 2014 wurde mit 900 Beamten das Paradise sowie drei weitere Großbordelle Rudloffs, Geschäftsräume und Wohnungen durchsucht. Der Geschäftsführer und der Marketingleiter des Paradise wurden festgenommen, des Weiteren zwei Prostituierte und ein 21-jähriger Mann. Der Mann, der Mitglied bei der Rockerbande United Tribuns war, und die beiden Prostituierten wurden im August 2015 wegen Menschenhandels verurteilt; zusammen mit einem weiteren United Tribuns Mitglied hatten sie per „Loverboy“-Methode zwei 18- und 19-jährige Frauen zur Aufnahme der Prostitution, u. a. im Paradise, gedrängt und dabei überwacht.

Jürgen Rudloff sitzt seit 27. September 2017 in Stuttgart in Untersuchungshaft wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Im März 2018 wurde vor dem Landgericht Stuttgart ein Verfahren gegen den Bordellchef Rudloff, Marketingchef Michael Beretin und den ehemaligen Geschäftsführer eines der vier Bordelle eingeleitet. Anklagepunkte waren „gewerbsmäßiger Betrug“, „Beihilfe zum schweren Menschenhandel und Zuhälterei“ und „versuchte gewerbs- und bandenmäßige Förderung des Menschenhandels“. Laut Staatsanwaltschaft haben in den Paradise Bordellen die Rockerclubs Hells Angels und United Tribuns die Kontrolle und lassen dort Frauen anschaffen. Die Zuhälter der Rockerclubs kassieren das Geld der Frauen. Um ihren Besitzanspruch zu dokumentieren tragen etliche Frauen in den Bordellen Tätowierungen mit den Vornamen ihrer Zuhälter. Frauen, die aussteigen wollen, werden geschlagen und bedroht. Der Bordellchef und seine Mitarbeiter hätten vom Vorgehen der Rocker gewusst, dies gebilligt und über Jahre Geschäfte mit ihnen gepflegt. Elf Personen aus den United Tribuns und Hells Angels wurden bereits angeklagt und zu Haftstrafen zwischen einem und sechs Jahren verurteilt.

Beim Prozess sagte eine Frau, die früher als Prostituierte im Paradise gearbeitet hatte, aus, dass die United Tribuns ihre Frauen oft misshandelten. Bei einer Telefonüberwachung kam heraus, dass Rudloff wusste, dass der Vizepräsident der United Tribuns, Nermin Culum, mehrere Frauen im „Paradise“ für sich arbeiten ließ.

Rudloff und dem ehemaligen Geschäftsführer eines der vier Bordelle wirft die Anklage außerdem vor, in einer Art Schneeballsystem in betrügerischer Weise Investoren und Darlehensgeber um mehr als drei Millionen Euro geschädigt zu haben. Nur ein Teil der Gelder ging in neue Bordellprojekte, wie vereinbart, während der Großteil privat verwendet wurde.

Im Dezember 2018 kam es zu einer ersten Verurteilung. Der Geschäftsführer wurde unter anderem wegen Beihilfe zum Menschenhandel und zur sexuellen Ausbeutung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, nachdem er ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte.

Nach einer Absprache zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht Im Februar 2019 legten die Angeklagten ein Geständnis ab. Rudloff sagte, dass er den Frauen nie schaden wollte, jedoch seine Kontakte zum Rockermilieu benutzte, um Nachschub an Frauen zu bekommen; er habe die Misshandlungen der Frauen durch ihre Zuhälter in Kauf genommen und davor seine Augen verschlossen.

Links zum Thema:

JÜRGEN RUDLOFF VERURTEILT : „Ein sauberes Bordell in dieser Größe ist nicht vorstellbar“ – VON RÜDIGER SOLDT – FAZ

„Bordellkönig Jürgen Rudloff muss fünf Jahre ins Gefängnis“ – Augsburger Allgemeine

„Das Trugbild von der sauberen Prostitution“ – Kommentar von Jörg Heinzle – Augsburger Allgemeine

„Prostitution: Ein historisches Urteil!“ – Chantal Louis – EMMA

 

Titelbild: Alexander Ehrmann

 

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