„Helfer in der Not: Warum Geschwister für psychisch Kranke so wichtig sind“ – Jana Hauschild – Spiegel-Online

Jana Hauschild wirft in ihrem lesenswerten Artikel einen Blick auf die Geschwister von psychisch Kranken. Zum einen können Geschwister eine wichtige Unterstützung für ihre psychisch Kranken Angehörigen sein. Auf der anderen Seite werden Geschwister in der Angehörigenarbeit meist übersehen. Aber auch sie bräuchten häufig Unterstützung.

„Eine psychische Erkrankung trifft fast immer auch die Familie. Die Eltern, die Kinder, und eben auch die Brüder und Schwestern. Im Leben der Betroffenen spielen sie häufig eine große Rolle, sind mitunter wichtigste Ansprechpartner oder (…) Ersthelfer in Krisen. Es gibt Millionen Geschwister in Deutschland, doch als Helfer und zu Stützende werden sie häufig übersehen. Kliniken und Therapieeinrichtungen richten sich mit Gesprächs- und Hilfsangeboten fast ausschließlich an die Mutter und den Vater, selten sehen sie die mit betroffenen Geschwister. Dabei haben diese durchaus Bedarf an Unterstützung.“

(…)

„Drei von vier psychischen Erkrankungen beginnen vor dem 25. Lebensjahr, also in Kindheit, Jugend oder dem jungen Erwachsenenalter. Die Geschwister sind häufig in einem ähnlichen Alter, in dem sich die Folgen der Krankheit meist stark ausprägen. Besonders junge Geschwister brauchen Erklärungen dafür, was mit ihrem Bruder oder der Schwester geschieht. Gerade junge Kinder suchen die Schuld auch bei sich. War ich zu forsch beim Spielen mit dem Bruder? Hab ich die Schwester zu sehr geärgert? Ältere Geschwister hingegen fühlen sich oftmals aus einem anderen Grund schuldig: weil sie gesund sind. Forscher sprechen von der sogenannten Überlebensschuld, weil dieses Gefühl mitunter auftritt, wenn Menschen Unfälle oder Katastrophen überleben, bei denen andere gestorben sind. Sie fragen sich: Warum meine Schwester, warum mein Bruder, warum nicht ich?“

Die Autorin bezieht sich in ihrem Artikel u.a. auf die 2004 publizierte Studie „Außen vor und doch mittendrin“ von Rita Schmid, Hermann Spiefll, Reinhard Peukert an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität am Bezirksklinikum Regensburg (Direktor: Prof. Dr. H.E. Klein).

„Die Psychologin Rita Schmid von der Universität Regensburg und ihre Kollegen bezeichnen Geschwister in der Untersuchung von 2004 gar als „vergessene Angehörige“: „Therapeutische Entscheidungen werden in der Regel ohne ihre Einschätzung und Meinung getroffen, obgleich sie den Erkrankten und seinen Erkrankungsverlauf häufig am längsten kennen“, schreiben die Studienautoren. Nicht zuletzt würden solche Entscheidungen oftmals auch Einfluss auf das Leben des gesunden Geschwisters haben.“

Link zum Artikel:

„Helfer in der Not: Warum Geschwister für psychisch Kranke so wichtig sind“ – von Jana Hauschild – Spiegel Online

Lesenswert!

 

Weitere Infos:

Die Autorin hat zum Thema Geschwister psychisch Kranker ein Buch verfasst: Übersehene Geschwister Das Leben als Bruder oder Schwester psychisch Erkrankter“ von Jana Hauschild ist im Februar 2019 im Beltz-Verlag erschienen.

Hilfe und Unterstützung für die Angehörigen psychisch Kranker Menschen leistet der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V. und dessen Landesverbände.

 

 

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