Drahtzieher Burschenschaften- Die Macht der Studentenverbindungen – ZDFinfo Doku

Studentenverbindungen gelten als rechtskonservative Akademiker-Elite, die sich gegenseitig protegiert und versucht, die Schaltstellen von Wirtschaft und Politik zu besetzen.

Blutige Fechteinlagen, ausufernde Trinkgelage, markige Männersprüche prägen das Bild vom Burschenschafter. Äußere Erkennungszeichen: Altmodische Mützchen, bunte Bänder über dem Jackett und nach Möglichkeit eine fette Narbe auf der Wange. Die Mitglieder einer Studentenverbindung gelten als rechtskonservative Akademikerelite, die sich gegenseitig protegiert und geheime Seilschaften bildet. Ihnen wird unterstellt, systematisch die Schaltstellen von Wirtschaft und Politik zu besetzen, um einen autoritären Nationalstaat zu etablieren. Tatsächlich landen sie mit ihren rassistischen und extremistischen Standpunkten immer wieder in den Schlagzeilen.

Elitäre Männerwelt versus buntes Verbindungswesen

Welche Ziele verfolgen diese elitären Männerbünde wirklich? Wie passen sie mit ihren eingefahrenen Traditionen und nationalstaatlichen Idealen eigentlich noch in die Zeit von Globalisierung und Digitalisierung? Wir haben uns diese verborgene Welt der Studentenverbindungen mit ihren seltsamen Ritualen, ihrer schillernden Geschichte, den verwegenen Verschwörungstheorien genauer angeschaut, haben seltene Einblicke gefunden in die für den Normalbürger meist fremde und verborgene Welt von Burschenschaften, Landsmannschaften, Corps und Turnerschaften. Wir haben hinter die Kulissen geschaut und Einlass bekommen in ihre oft herrschaftlichen Häuser, in die geschmückten Fest- und Kneipsäle und die verborgene Paukböden.

Schaut man genauer hin, erweist sich das von Männern dominierte Verbindungswesen als plötzlich recht vielfältig, offen und wandelbar. Es gibt Frauenkorporationen, gemischte Verbindungen sowie musisch geprägte Gemeinschaften. Auch die Aufnahmekriterien sind teils weniger rigoros und liberaler als vermutet. Einlass finden durchaus schon mal Bürger anderer Nationalitäten und Hautfarbe, vereinzelt auch Homosexuelle. Kein Wunder. Viele Korporationen stehen auf dem Boden der parlamentarischen Demokratie, des Pluralismus, wenngleich sie sich durchaus als akademische, rechtskonservative Elite versteht. Prominente Mitglieder von Studentenverbindungen wie Thomas Gottschalk, Armin Laschet, Joseph Ratzinger, Markus Söder sind Beispiele für ein umfangreiches Karrierenetzwerk.

Am rechten Rand der Szene

Aber es gibt auch ihn – den rechten Rand der Szene. Vornehmlich politisch aktive und aus der Studentenschaft aktivierte Burschenschafter propagieren offen den Kampf gegen Linke, Flüchtlinge und Juden. Mit deutlich deutschnationaler Gesinnung machen sie Front gegen ihre libertären Gegner, pflegen oft auch den Kontakt zu rechtsextremen, verbotenen Bewegungen. Auf der politischen Bühne versuchen sie den Gang durch die Institutionen. Sie nutzen den momentanen Rechtsruck in der Gesellschaft, dienen sich rechtspopulistischen Parteien wie der AfD und der österreichische FPÖ als akademische Elite an. Es gelingt ihnen so, zentrale Stellen der Gesellschaft zu besetzen.

Ist die zahlenmäßig mit rund 900 Studentenverbindungen und ca. 150.000 Mitgliedern randständige Minderheit in Deutschland also wirklich eine Bedrohung für unser demokratisches Gemeinwesen? Oder gehören diese in etwa 30 Bünde organisierten deutschtümelnden Studenten- und Altherrenvereine mit ihrer starren Geisteshaltung längst zu einer aussterbenden Art?

Link zu Sendung:

Drahtzieher Burschenschaften- Die Macht der Studentenverbindungen – ZDFinfo Doku

 

Titelbild: Screenshot der Sendung

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